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Wilhelmsburger Impressionen

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Die Straßenbahn und meine Kindheit

Heute habe ich auf YouTube alte Aufnahmen von der Hamburger Straßenbahn gesehen. Eigentlich wollte ich nur kurz schauen – aber dann hat es mich ganz tief erwischt. Es war, als hätte jemand ein altes Fotoalbum in meinem Herzen aufgeschlagen. Die Bilder, die Geräusche, die fahrenden Wagen – und plötzlich war meine Kindheit wieder da.

Ich bin Jahrgang 1958. Meine Mutter hat mich damals weggegeben, und es stand im Raum, dass ich ins Heim kommen sollte. Aber meine Großeltern haben gesagt: Nein, der Junge kommt nicht ins Heim. Wir nehmen ihn zu uns.

So bin ich bei meiner Oma und meinem Opa groß geworden. Dafür kann ich ihnen bis heute gar nicht genug danken. Sie haben mir ein Zuhause gegeben, Liebe, Geborgenheit und ein richtiges Leben. Ohne sie weiß ich nicht, wo ich heute wäre.

1960 sind wir nach Niendorf gezogen, nach Schnelsen, in die Wendloßstraße 155. Dort habe ich meine Kindheit verbracht, bis ich ungefähr 13 Jahre alt war. Wenn ich an diese Zeit denke, dann denke ich an meine Großeltern – und an die Straßenbahn.

Oma und Opa haben mich oft mitgenommen in die Stadt, zum Einkaufen oder einfach nur so. Wir fuhren mit der Straßenbahn, und für mich als Kind war das jedes Mal ein kleines Abenteuer. Ich saß am Fenster, sah die Straßen vorbeiziehen und wusste: Ich bin nicht allein. Ich bin bei ihnen.

Damals gab es noch Geschäfte wie Horten und Karstadt, und alles fühlte sich lebendig an. Die Stadt hatte ein anderes Tempo, und irgendwie auch ein anderes Herz.

Heute, wenn ich diese alten Aufnahmen sehe und sie mit den Bildern von heute vergleiche, spüre ich deutlich: Diese Zeit in Niendorf und Schnelsen war für mich eine sehr schöne Zeit. Ich hatte dort, trotz allem, ein gutes und behütetes Leben.

Es war einfacher, ruhiger und für mich voller Wärme.

Dass es die Straßenbahn in Hamburg heute nicht mehr gibt, macht mich traurig. Ich habe das Gefühl, dass der Stadt damit nicht nur ein Verkehrsmittel fehlt, sondern ein Stück Seele.

Für mich ist die Straßenbahn untrennbar verbunden mit meiner Kindheit, mit meinen Großeltern und mit dem Gefühl, angenommen worden zu sein.

Diese Bilder heute haben mir noch einmal gezeigt, wie viel Glück ich damals hatte.

Oma und Opa, Schnelsen und Niendorf, die Fahrten in die Stadt – das alles gehört zu mir.

Und auch wenn diese Zeit vorbei ist, lebt sie in mir weiter.